Altlasten Sanierung, Part I


( Dezember 2022 )



Jetzt wo klar ist, was unter den Fliesen schlummert, wurden erst mal 120€ in eine Vollschutzmaske investiert. Von den angefragten Firmen hat noch keiner geantwortet, aber die Fliesen müssen ja eh runter, also los gehts.

Nach einigen Stunden des Stemmens wird klar, man hat in den 1990ern den Parkettboden rausgerissen, die Teerbahnen drin gelassen und über den ganzen Raum Estrich gegossen, dort dann Fliesenkleber + Fliesen drauf. Somit hatte man den Schacht der Hebelbank zu und einen Ebenen Boden. Grundsätzlich nicht dumm, nur atmete man weiterhin schön die Krebserregende scheiße ein.

Der Estrich hat keine wirklich gute Haftung an den Teerbahnen und lässt sich relativ einfach abstemmen. Es hängen keine Fetzen mehr am Estrich, jedoch ist er hier und da dennoch leicht schwarz auf der Unterseite. Das Zeug einfach in den Raum darunter zu verklappen fällt also aus. Ich will das PAK Zeug ja loswerden und nicht von einem in den nächsten Raum tragen.

"Lass das mal einen Fachmann machen!" (Ein kurzer Rant)

Das ist DER Satz den man zu hören bekommt, wenn man auf Social Media oder Foren zu einem Handwerks Thema etwas fragt. Lustigerweise nur im Deutschen Universum. Im Englisch sprachigen Raum habe ich solche "Ratschläge" nie gelesen.

Handwerksfirmen sind für mich der absolute Endgegner. Diese dickhodige borniertheit mit der auf der Baustelle aufgetreten wird und dir erstmal in einer langen Abhandlung erklären warum du ein Idiot bist, das alles überhaupt nicht geht und wenn doch, es dann sehr teuer wird. Nur um dann letzten Endes doch nicht zum Termin zu erscheinen.
Man mag jetzt meinen ich trete den Firmen auch schon mit dieser Einstellung entgegen, aber nein, ich bin da immer sehr freundlich und zuvorkommend und will überhaupt nix "ohne Rechnung und sehr günstig" gemacht haben. Gute Arbeit hat ihren Preis und den zahle ich auch. Aber es läuft einfach immer auf das gleiche Ergebnis heraus. Und so auch diesmal.

Eine Firma aus der Nähe meldete sich, stellte ein paar Nachfragen und kam per Telefon zu dem Entschluss, dass man den Kleber vermutlich am besten Abstemmen müsste. Man rechnet mit 2 Tagen zu 3 Mann. Ich willigte ein und wir verabreden uns zu einem Vor Ort Termin.

Und natürlich war ich alleine auf der Baustelle. Es ging auch keiner ans Telefon.

Auf der Suche nach einem Fräsgerät bei diversen Maschinen Verleih Firmen in der Region um es dann doch selber zu machen, wurde ich leider auch nicht fündig. Man hatte zwar Staubsauger ähnliche Geräte die aber statt zu saugen den Beton wegfräsen, sie sagten aber alle das das PAK Zeug die Fräse verstopfen werden.

Also, Tage später nochmal die Firma angerufen, die mich versetzt hatte. Angeblich wäre man auf der Baustelle gewesen, aber keiner war da. ( 🙄 ) Wir machen einen neuen Termin, es wird wieder nicht erschienen 😏.


Auch wenn die Leihbuden mir sagten das wird nichts, wollte ich nicht hören und habe mir zum testen mal eine kleine Handbetonfräse gekauft. Und was soll ich sagen, recht hatten sie. Nicht nur das man nicht voran kommt, die Fräse verklebt, aber noch viel schlimmer der ganze Raum wird massivst zugestaubt mit dem PAK Zeug, trotz montiertem Absauger.


Die Firma wollte das ja abstemmen, diese Möglichkeit hatte ich gar nicht in Betracht gezogen, weil es halt eher eine Kleber ist. Aber Versuch macht kluch. Und es funktioniert! Die rote Fläche auf dem Bild hatte ich in 15-20min mit der Handfräse hinbekommen, die blaue mit dem Schlagbohrer in so 60 min.

Am Telefon meinte die Firma, es würde noch eine Art Arbeits Pavillon aufgebaut, damit beim Abstemmen der Staub in der Bude nicht verteilt wird. Ich vermute aber mal sie gingen von einem normalen Gebäude aus, wo nur ein Raum saniert werden sollte, und um ehrlich zu sein, die Staubbelastung ist äußerst minimal. Dazu rede ich es mir schön, dass eh noch der Putz von allen Wänden runter muss, die komplette Fensterfront entglast ist, also maximaler Durchzug und den Flur, sowieso die offene Fläche zum DG klebe ich mit Folien ab.

Ergo: Wird alleine gemacht.




Unter dem Kleber hat man damals noch Ausgleichsmasse gekippt, dort wo diese dicker war ließ es sich leicht abstemmen. Es gab aber auch stellen wo sie nur 1-2mm Betrug und dort musste der Teer praktisch von der Betondecke abgestemmt werden. Das Video zeigt den Zeitraffer von ca 9h arbeit.



Nach grob 3 Tagen zu je 9h war ich dann fertig mit dem Raum. Es wurde dann nochmal penibel alle Böden, Wände und Decken mit dem H-Staubsauger abgesaugt, um auch den letzten Rest des Zeugs entfernt zu bekommen. Die Bodenfräse habe ich wieder verkauft bekommen und nur 50€ Verlust gemacht. Den Staubsauger habe ich mit 100€ Rabatt zum NP online gestellt, aber keiner will ihn. Da das Gerät aber spitze ist, werde ich ihn jetzt einfach gegen meinen uralten Kärcher tauschen, der saugt zwar noch Top, wirft aber auch die Hälfte wieder hinten aus. 🙃

Der Schacht


Im Jahr 1974, kurz vor der Schließung des Stellwerks, ist jemand mit der Kamera durch. Dabei entstand diese Aufnahme und nun rund 50 Jahre später die untere aus dem gleichen Blickwinkel. Man sieht hier noch die alte Hebelbank, diese stand auf den 2 T-Trägern, nach unten gingen dann die Seilzüge. Beim Ausbau der Bank wurde der Schacht, wie schon beschrieben, von den Käufern mit Stahlbeton verfüllt.



Mit dem 6 Joule Bohrhammer den ich habe komme ich dem Stahlbeton nicht bei. Also wird mit dem Akku Winkelschleifer der 5 m langen Streifen in 5x5cm große Würfel geschnitten und dann abgestemmt.



Den Takt der Arbeitsgeschwindigkeit haben die Makita Akkus gegeben. Der große Winkelschleifer braucht 2x18V Akkus. Ich hatte 4 Stück zu 5Ah und 2 Stück zu 3Ah. Die 6 im gesamten reichten so ungefähr 40cm. Dann hieß es stemmen und hoffen das bis dahin die Akkus wieder voll waren. Mittlerweile bin ich aber im 4. Tag des ununterbrochenen stemmens und dementsprechend fehlt mir auch immer mehr die Kraft.

( Nachtrag, Dez. 2024: Mittlerweile habe ich einen Abbruchhammer und Junge… hätte ich mir den doch nur damals schon gekauft.. Die 2 Tage Arbeit an dem Schacht wären vermutlich in 2h erledigt gewesen. 😣 )


Nach den 6 Tagen ist das OG dann auch in seinem tiefsten Entkernungszustand. Und man muss sagen, es sah mittendrin als die Bude nur ausgeräumt war, schon mal wohnlicher aus. 🙃 Die Holzplatten die noch im Schacht liegen kann man einfach rausnehmen, ich hab sie aber mal noch drin gelassen als rudimentären Absturzschutz. Geplant ist dort ein begehbaren Glasboden einzubauen. Unten drunter sind die zukünftige Küche und das Schlafzimmer beide Räume haben zwar Fenster wirken aber dennoch recht dunkel, das zusätzliche Licht von oben macht es also ein wenig wohnlicher.



Das Schlafzimmer darunter hat sich dann auch schon gut mit Bauschutt gefüllt. Meinen anfänglichen bedenken nicht genug zusammen zu bekommen und umständlich Füllmaterial für den Boden rein tragen zu dürfen weicht der Realität das ich nun zu viel Bauschutt habe da kommt es gelegen



dass die Zufahrt zum Stellwerk durch den anhaltenden Regen immer schlammiger wird.



Die schlimmste Stelle grabe ich Spatentief aus und befülle ihn später mit recyceltem Bauschutt, was die günstige Lösung für das Provisorium war.



Bei den Arbeiten hält der örtliche Förster bei mir an. Er erzählt dass um das Stellwerk herum demnächst Baumfällarbeiten stattfinden. Man hat bei DB Netz angefragt ob man bei denen übers Grundstück dafür dürfe. Und DB Netz hat wohl gesagt „Ja und wenn sie möchten können sie gleich alle Bäume auf unserem Grundstück fällen und behalten“ Ein Win-Win für beide, DB Netz hat eh keine Kohle um seiner Grünschnitt Pflicht nach zu kommen und die Gemeinde in Form des Försters kann Kasse machen. Für mich siehts aber blöd aus. Man fragt mich natürlich freundlich ob sie meine Zufahrt benutzen dürfen um in den Wald zu kommen und ich willige ein unter der Bedingung das der Weg halt danach wieder befahrbar ist. Blöd ist aber, der ganze Wald auf dem Bild rechts der Gleise wird fallen.



Da mir das 6 Tage durch stemmen mit der 6kg schweren Maschine einen leichten Muskelschaden im rechten Oberarm beschert hat, war ich die 2. Januar Hälfte nicht mehr am Stellwerk. Einen ersten Blick auf das Ausmaß der Rodung konnte ich am 24. Januar aus dem Zug werfen. Da dachte ich noch: „Naja, geht ja.“ ……

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