Der 1. Kontakt


( März 2022 )

Die ersten wärmeren Tage des Jahres, ein Wandertag steht an, es soll in die Südpfalz gehen. Auf dem Weg dahin kommen wir ( meine Frau und Ich ) an einem Straßenschild vorbei, der auf einen Ort hinweist, den ich von meiner täglichen Arbeit als Lokführer, aber ausschließlich vom Blick aus dem vorbeifahrenden Fenster kenne. Ein altes verlassenes Stellwerk im Pfälzer Wald.

Ich wollte mir das schon immer mal genauer anschauen. Also los geht's.

Wir stehen vor dem Gebäude. Meine Frau, die beim anderen Stellwerk skeptisch ob des ganzen Projekts war, kommentierte diesen Anblick mit "Das ist ja schön!". Ja, überall liegt Müll, das Dach stürzt ein, die Fenster schon lange entglast, also insg. in einem VIEL schlechteren Zustand als das andere Stellwerk in Stromberg, aber: "das ist schön".



Rund um das Gebäude kann man diverse Einbruchsspuren erkennen, erst ist man wohl über die Fenster rein, als diese dann notdürftig verschlossen wurden, hat man direkt die Tür genommen. Diese steht offen. Irgendwann hat man wohl einfach aufgegeben.



Der Blick in den Flur. Es sieht halt einfach wie ein Lost Place aus. Es wird bestimmt schon viel geklaut worden sein, aber Metalldiebe waren anscheinend gar keine da, zumindest hängt überall noch die Elektrik herum.



Zumindest der Sicherungskasten wurde schon bearbeitet. Später stellte sich heraus, dass auf dem Kasten immer noch 230V anlagen. 🫣



Das Klo. Irgendwelches Viehzeug hat es sich in der Styropor Verkleidung gemütlich gemacht, bzw. diese komplett auseinandergenommen.



Ein Blick in die Küche, oder was noch davon übrig ist. Übrigens der Raum mit dem einzigen intakten Fenster im ganzen Stellwerk. Ein Kühlschrank und eine Waschmaschine stehen darin noch rum und jede Menge klein geschlagene Möbel. Die Waschmaschine macht stutzig. Seit wann stellt die Bahn denn sowas seinen Mitarbeiter zur Verfügung?



Ich stell schon gar keine Fragen mehr bzgl des Vandalismus und wir sind noch im EG. Hier wird aber auch klar, das Gebäude hat/hatte(?) eine private Nutzung nach der Bahn. Dieser Umgebauter ehem. Spannraum diente wohl als Schlafzimmer und links hat man versucht eine Dusche einzubauen. Mit Kalksandsteinen aufgeteilt und dann mit Profilholz den schönen hohen Raum abgehängt. Uralte Vollholztüren eingebaut, aber dann auch nie irgendwas verputzt. Der Boden, den man da sieht... ist auch gar kein Boden, darunter ist ein halber Meter Luft.



Hoch gehts, der Flur hat außer ein paar Graffiti Tags nichts abbekommen. Aber.... oben wirds jetzt richtig hässlich.



Wo fang ich an...



Die Matratze quer im Raum, der Kachelofen zerschlagen, es mischt sich Kot der verschiedensten Tiere mit Papiermüll, irgendwo ist ein weißer Fliesen Boden darunter zu erkennen. Die Wände sind besprüht, an vielen Stellen löst sich aber auch schon der Putz. Das Dach hat bei der Vorbeifahrt noch nie einen guten Eindruck gemacht. Klar ist aber jetzt auch, das Gebäude war oder ist definitiv in Privatbesitz.



Anhand des Unrats erschließen sich 2 Dinge, das Gebäude wird vermutlich um die Jahrtausendwende, also vor 22 Jahren, aufgegeben worden sein. Zumindest lassen die Computer Zeitungen und andere Dokumente, die dort rumliegen, darauf schließen. Und, wer auch immer das hier hingebracht hat, wird bei der Deutschen Bundespost bzw. dann bei der Telekom gearbeitet haben. Was dort ausrangiert wurde, ging wohl den "kann man noch gebrauchen" Weg.



Der Zustand des Gebäudes ist schlecht, oder sagen wir mal schlechter als das Stellwerks in Stromberg, das wir besichtigt haben. In Stromberg hätte es gereicht, das Dach neu zu decken, Fenster und Türen neu - fertig. Hier sieht man auch als Laie direkt, dass viel mehr Arbeit nötig ist. Die Grundsubstanz scheint aber noch fit zu sein, Schimmel hat sich auch nirgends breit gemacht, das Dach sieht zumindest von innen noch recht okay aus.

Aber toll finden wir das Gebäude allemal. Während der Besichtigung fallen daher immer mal so Sätze wie: "Hier könnte man dies und das machen." "Da könnte eine gemütliche Ecke am großen Fenster hin. Davor ein neuer Holzofen."
Dazu kommt, dass das Gebäude einsam und verlassen im Wald liegt, es gibt nur ein einziges Nachbargebäude in 200 m Luftlinie, ebenfalls ein altes Bahngebäude, was aber saniert ist. Ab und zu im Sommer sitzt da eine Gruppe Menschen und grillt.



Ohne uns groß hineinzusteigern, grade wegen des sehr miserablen Verkaufsverlaufs mit der DB, beschließen wir zumindest mal heraus zu finden wem dieses seit 20 Jahren verlassene Gebäude gehört und fangen mit dem einfachsten an, wir hinterlassen dem Nachbarn auf der anderen Seite der Gleise einen Zettel mit unseren Telefonnummern und, warten.




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